Mittwoch, 23. Mai 2012

Ein Kreis schliesst sich

Liebe Blogleser,

dies ist nun der letzte post dieses Blogs, den ich euch wie angekuendigt aus Quito schreibe.
Die letzte Woche war sehr ereignisreich und voller Emotionen.
An den letzten beiden Arbeitstagen in El Salado verabschiedete ich mich von meinen beiden Englischklassen und noch weiteren SchuelerInnen, mit denen ich in den acht Monaten intensiver gearbeitet habe.



Am Dienstag meinem letzten Unterrichtstag luden uns die Lehrer zu einem Abschiedsessen ein. Es gab Llapingachos, eine Art Kartoffelpuffer, mein Lieblingsessen.

Am Dienstagabend luden wir noch einige Schuelerinnen der 12. Klasse und ihrer Muetter zu uns in die hospedería ein. Es war ein Dankeschoen fuer die gemeinsamen Ausfluege ins Hochland, die sie mit Suzi und Franzi unternommen hatten. Wir servierten Chili con carne, dazu Broetchen und nichtalkoholhischen Punsch.
Dieses Treffen provozierte einen unerwarteten Zusammenprall der Kulturen. Denn die Landbevoelkerung in und um El Salado isst eigentlich nur leicht gesalzene Suppen und Gerichte. Mit dem vielfaeltig gewuerzten Chili waren sie einfach ueberfordert. Waehrend zwei Maedchen tapfer drauflos loeffelten, mussten sich viele bereits nach dem ersten Bissen geschlagen geben und griffen lieber zu Broetchen, Keksen und Punsch.
Selten habe ich so lachen muessen, da ich die Situation einfach nur unerwartet ueberraschend fand. Bald schon lagen wir alle lachend unter dem Tisch. Trotz dieser Panne war es ein lustiger und schoener Abend fuer alle.
Mittwoch schossen wir noch ein gemeinsames Foto mit der ganzen Schule. Am Nachmittag fuhr ich dann nach mehrfachen Verabschiedungen von vielen Schuelern gemeinsam mit den Lehrern ein letztes Mal nach unten.

Die letzten sechs Tage verbrachte ich mit meiner Gastfamilie in Ambato. Ich kaufte einige CDs mit typischer, ecuadorianischer Musik und einen Hut fuer mich. Zudem verabschiedete ich mich noch von Anita, einer unserer Ansprechpartnerinnen, die uns in einigen Projekten unterstuetzend zur Seite stand.

Gestern ging es dann in einem Taxi collectivo (Intercity-Sammeltaxi) nach Quito. Diese Art Taxi bringt einen von der Haustuer direkt zum gewuenschten Ziel. Es kostet genauso viel wie die Fahrt mit dem Bus+Taxi vom ZOB zum Hostal, ist aber sicherer und bequemer. Ein toller Service.

Heute stand erstmal Souvenirshoppen auf dem Plan. Saemtlich gewebten Kleidungstuecke und Acessoires sindnun in meinem Besitz. Morgen fahre noch nach Otavalo, um die restlichen Mitbringsel zu erstehen.

Freitag ist ein nationaler Ferientag. Somit werde ich die Zeit mit packen und lesen verbringen. Abends kommen dann noch Franzi und Suzi vorbei, damit wir in Suzis Geburtstag hineinfeiern koennen.
Dieses Unterfangen wird allerdings allzu lang ausarten, da ich am Samstag Morgen um 7 Uhr am Flughafen sein muss.

Nun, in drei Tagen ist mein Aufenthalt hier also endgueltig vorbei.
Auch wenn es manchmal schwierige Situationen zu bewaeltigen gab und ich mich hin und wieder ueber etwas geaergert habe (z.B. die ecuadorianische Unpuenktlichkeit), so bereue ich die Entscheidung acht Monate in Ecuador gelebt zu haben keineswegs. Es war eine schoene und wichtige Zeit fuer mich. Schoen, weil ich viele kostbare Erfahrungen machen duerfte, die mich persoenlich weitergebracht haben. Wichtig, da ich einige sehr nette und besondere Personen kennen lernte sowie auch mein Spanisch noch erheblich habe verbessern koennen. Ich besuchte zahlreiche, wunderschoene und interessante Orte und habe viel von der ecuadorianischen Kultur erfahren koennen. Ganz so, wie ich es mir vorgestellt und gewuenscht habe.

Nun bleibt mir nur noch, mich bei euch allen fuer das regelmaessige Lesen und Kommentieren meines Blogs zu bedanken. Ich hatte mir vorgenommen, euch durch diesen Blog mit auf meine Reise zu nehmen und euch ein wenig an meinem Leben in Ecuador teilhaben zu lassen.
Ich hoffe, es ist mir gelungen.

Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit euch in Deutschland.
Bis dahin. ¡Muchos saludos y hasta pronto!

Eure
Marijke

Samstag, 12. Mai 2012

Die letzten drei Wochen

Liebe Blogfreunde,

es ist mal wieder Zeit fuer einen neuen Eintrag. Diejenigen, die meinen Blog bis jetzt regelmaessig gelesen haben, werden richtig vermuten, dass es nicht mehr viele posts geben wird. Denn mir bleiben von heute an noch genau zwei Wochen bis zum Rueckflug nach Deutschland.
Daher moechte ich euch kurz schildern, was sich in den letzten Wochen zugetragen hat.

Nach meinem Wellnessurlaub in Vilcabamba hatte mich der Arbeitsalltag und die Kaelte der hospedería schnell wieder.
Am 26.4. war es denn auch endlich soweit und wir haben gemeinsam mit drei Lehrerinnen des colegio den Gesundheitstag (8.5.) fuer die Schueler vorbeitet. Es wurde ein kurzes Theaterstueck fuer die Grundschueler zur Relevanz des taeglichen Zaehneputzens verfasst. Dazu bastelten wir noch drei Protagonisten: Lama, Hase und Esel, wobei das Lama (von mir gespielt), unter grossen Zahnschmerzen litt und von Doktor Hase und dem vorbildlichen Esel belehrt wurde.
Die alteren Schueler wurden mit Lernplakaten und einem Kurzvortag informiert. Anschliessend gab es fuer jedes Kind eine Zahnpasta und Buerste gratis sowie das gemeinsame Zaehneputzen zur Uebung.
Die Zahnbuersten und Pasten besorgte uns Anita, die dafuer ihre Beziehung zu einer Zahnaerztin in Ambato spielen liess.
Die Eltern wurden mittels Power-Point-Praesentation ueber die Zahngesundheit und -pflege aufgeklaert!
Es gibt sogar ein paar Grundschueler, die sich nun jeden Tag in der Schule die Zaehne putzten.
Der Tag scheint also schon Fruechte zu tragen!



Am 30.4. zeichneten wir dann fuenf Kinder mit Buchpresien und Buntstiften aus. Sie erhielten die Praemien fuer die rege Teilnahme am Literaturmonat und waren sichtlich geruehrt als sie waehrend des montaeglichen Morgensaluts vor den Augen ihrer Mitschueler ausgerufen wurden.
Am gleichen Tag fand noch ein didaktisches Konzert des Regierungsorchesters der Provinz Tungurahua fuer die ganze Schule statt. Der Dirigent und seine Musiker erklaerten den Kinder die einzelnen Instrumente von der Klarinette bis zum Schlagzeug und erlaeuteren zudem noch die Arbeitsweise eines Orchesters. Es wurden den Kindern bekannte Stuecke vorgspielt und zwei Schueler durften sogar praktische Erfahrungen als Dirigenten sammeln. Da die beiden sehr schuechtern waren, wurde ich noch ueberraschenderweise ebenfalls zu dieser Uebung genoetigt. Eine witzige Erfahrung mit Taktstock auf dem Podest zu stehen und ein Orchester zu dirigieren.

Ein weiteres Highlight der letzten drei Wochen stellte das Fliewatue da. Ein Meerschweinchen, das wir von einer Schuelerin geschenkt bekamen und fuer das wir gleich darauf einen grossen Kaefig gezimmert haben.
Angemerkt sei uebrings, dass ich fuer die Namensgebung nicht verantwortlich bin ;-)!
                               Es ist das rechte Meerschwein, das andere verstarb leider nach einer Woche.

Ansonsten machte und macht es uns das Wetter mal wieder nicht einfach. Viel Regen und morgendliche Temperaturen von 9 Grad innen und aussen zerren schon manchmal ziemlich an unseren Nerven.
Eigentlich wollten wir laengst die hospedería von aussen mit den Kindern gestrichen haben, aber der Regen laesst uns kaum eine Chance. Immerhin schafften wir es, die Ecuadorflagge samt Wappen an eine Hauswand zu pinseln.
                                    Hier nur das Wappen, welches das Zentrum der Flagge darstellt.

Am Donnerstag wurde dann noch der Muttertag vorgzogen in der Schule gefeiert, so dass mal wieder der Unterricht ausfiel. Die Schueler ehrten ihre Muetter mit Gedichten, Liedern und Blumen. Die Lehrer bedachten die Muetter mit Reden, Essen, Liedern und Tanz.

Eigentlich eine nette Sache, wenn nicht zu Lasten des Unterrichts, denn eigentlich begeht man den Muttertag ja am Sonntag in der Familie.
Zudem waren die Lehrer nicht verantwortugngsbewusst genug, um den Klassenraum des 11. und 12 Jhgs. der fuer die Feierlichkeiten genutzt wurde,  wieder aufzuraeumen. So musste ich den Tag drauf in den PC-Raum ausweichen. In Deutschland waere sowas undenkbar!

Morgen fahre ich das letzte Mal nach oben in die Berge, um noch bis Dienstag zu arbeiten. Mittwoch wird fuer mich der Tag des Abschiednehmens sein. Ich hoffe, dass meine Schueler und ich nicht allzu betruebt sein werden. Meine Englischklassen wird bis zum Schuljahresende Franzi uebernehmen.
Am 16.05 werde ich das letzte Mal nach unten trampen und noch bis zum 22.05 in Ambato bei meiner Gastfamilie verweilen, von der ich mich dann auch verabschieden muss. Das wird bestimmt ziemlich hart, da mich meine Gastmutter und ihre beiden Enkelinnen, glaub ich, schon ziemlich ins Herz geschlossen haben.
Die letzten vier Tage verbringe ich noch in Gerds Hostal in Quito. Der Ort, wo fuer mich vor acht Monaten alles begann. Ein weiterer Lebensabschnitt wird sich so fuer mich abschliessen. Ein komisches und sehr facettenreiches Gefuehl!

Der letzte post wird euch somit aus Quito erreichen. Dann werde ich wohl auch endlich Gelegenheit haben, diesen Eintrag mit Fotos zu versehen, Denn, ja ihr ahnt es schon, dieser PC weigert sich mal weider Bilder hochzuladen.

Nun, alles Liebe aus Ecuador. Habt es gut.
Bis bald.
Eure
Marijke