Samstag, 28. Januar 2012

Strom aus, Strom an und Quito

Hallo, ihr Lieben,

es ist mal wieder an der Zeit fuer einen neuen post!

Seit meinem Urlaub an der Kueste ist jedoch nicht allzu viel passiert, daher halte ich mich mit belanglosen Alltagsgeschichten moeglichst kurz und werde dafuer ein paar mehr Fotos hochladen, falls mich der PC des Intercafes laesst!

Die erste Woche nach den Ferien verbrachte ich allein in der Huette, da Franzi und Suzi im Dschungel unterwegs waren. Der Strom wurde die ganze Woche ueber nicht wieder eingeschaltet, daher verbrachte ich die Abende bei gemuetlichem Kerzenschein, der noch gemuetlicher mit Heizluefter gewesen waere!!!
Mit Hilfe einer Waermflasche auf den Beinen, Handschuh, Schal und Muetze liess es sich doch einigermassen aushalten.

Die zweite Woche haben Franzi und ich dann mit dem eingenverantwortlichen Englischunterricht angefangen, da der eigentliche Enlischlehrer lieber seinen Zeitvertrag fuer eine feste Stelle in der Stadt getauscht hat.
Nach anfaenglichen Disziplinproblemen akzeptieren uns die Schueler jetzt als vollwertige Lehrkraefte und das Unterrichten macht wieder Spass!


Zur Zeit haben wir wieder drei Hof- Hunde, die uns zugelaufen bzw. als Dauerleihgabe einer Schuelerin vermacht wurden. Die drei "Knallkoeppe", wie ich sie manchmal gerne nenne, haben immer mal wieder Unsinn vor und bieten eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag!

Dieses Wochenende verbringen wir in Quito, wieder in Gerds Hostel. Es ist witzig nach vier Monaten wieder hier zu sein, an dem Ort, an dem fuer mich alles begann. Mit den Erfahrungen, die ich bis jetzt gemacht habe, sehe ich die Stadt doch mit anderen Augen!
Waehrend Suzi und Franzi ein volles Programm zu bewaeltigen haben: Tour auf die Galapagosinseln buchen, Flug aendern und ein Nasenpiercing stechen lassen, geniesse ich die Ruhe und lasse mich durch das Viertel treiben.
Morgen muessen wir dann schon wieder nach Ambato, Lebensmittel einkaufen, Sachen packen. Alltag eben!

So, nun folgen die versprochenen Fotos! Viel Spass damit und ganz liebe Gruesse an euch alle!!!
Marijke

Unsere  "Knallkoepfe":


                                                                 Drei 10. Klaessler

Einige Schueler und Kindergartenkinder:


Sonntag, 8. Januar 2012

Wenn einer eine Reise tut...

... dann kann er was erleben. Dass das Positives aber auch Negatives bedeuten kann, wenn man in Ecuador unterwegs ist, kann man leicht durch sich verbreitende Vorfreude vergessen.

Aber eins nach dem anderen. Immerhin sind ueber zwei Wochen seit dem letzten post vergangen.
Beginnen wir also dort, wo der vorige Bericht aufhoerte: bei der Schulweihnachtsfeier.

Am 22.12. fanden Franzi und ich uns um 8 Uhr morgens in der Schule ein.
Jede Klasse hatte in ihren Klassenzimmern in tagelanger Kleinstarbeit eine Krippe errichtet. Unter uns eine kitschiger als die andere, aber der ganze Stolz der Kinder. Deshalb habe ich auch fleissig Fotos geschossen und gelobt.


Im Verlauf der Feier sollte noch die schoenste Krippe gekuert werden. Als naechster Programmpunkt folgte dann der christliche Umzug, bei dem viele Schueler als Figuren der Weihnachtsgeschichte verkleidet auf der Landstrasse ins Schulgelaende einzogen. Die Heiligen Drei Koenige kamen sogar zu Pferd geritten. Die Hirten fuehrten mit Lametta geschmueckte Schafe an der Leine, ein Akt, der den wild bloeckenden Schafen ueberhaupt nicht gefiel, aber bitte...


Nach dem Umzug wurden verschiedene Wettkampfspiele durchgefuehrt, wie Eierwettlauf oder die Reise nach Jerusalem.
Nach der Preisverleihung, bei der wir den Schuelern auch ihre selbstgebastelten Stern aushaendigten, gab es fuer alle Kinder Essen. Bei der Gelegenheit wurde auch unser vorher zusammengebrauter Weihnachtspunsch ausgegeben, der den Schuelern, aber auch den Lehren und Eltern sehr gut schmeckte.  Nach der abschliessenden Lehrerdisko im Speisesaal, bei der wir stundenlang zur ecuadorianischen Folkloremusik im Kreis tanzten, war dann um 18 Uhr alles vorbei.

Freitag hiess es fuer Franzi und mich Sachen packen, putzen und in die Ferien starten. Wie gewohnt trampten wir nach Ambato. Der Fahrer war sehr nett und an Deutschland interessiert, da sein Bruder dort wohnt und er selbst zwei Jahre in Merseburg studiert hatte.
Die Weihnachtsferien wurden fuer mich mit einer Geburtstagsfeier einer Freundin von Silvia und Stalin eingeleitet. Es wurde viel gelacht, gegessen, getrunken und getanzt. Da das Geburtstagskind am 24. Dezember Geburtstag hat, wurde hineingefeiert und zwar auf ecuadorianische Art. D.h., mit einer  Mariachieinlage. Zur Erklaerung: Mariachis sind eigentlich mexikanische Folkloremusiker, ja genau, die mit den riesigen Sombreros, die immer sehr getragen und schluchzend dahersingen.
Von diesen Gestalten hatten wir nun ca acht in der Wohnstube zusammengedraengt stehen und sie sangen, schmachtete Liebeslieder und trompeteten, geigten und sangen so schraeg, dass das Trommelfell am liebsten ausgewandert waere, wenn es dessen maechtig gewesen waere! Aber seht selbst:


Als das ueberlebt war, ging die Party noch bis 4 Uhr morgens, uff!

Weihnachten verlief sehr ruhig fuer mich. Waehrend sich meine Familie dem absoluten Partymarathon hingab, hielt ich mich lieber raus aus dem ganzen Truebel und verbrachte die Tage froehlich skypend mit meiner Familie und meinen besten Freunden. Danke an dieser Stelle nochmal fuer eure Zeit!
Am Weihnachtstag, 25.12., wurden dann in meiner Familie die Geschenke verteilt. Mein Weihnachtsgeschenk waren ein paar weisse Monsterfusspantoffeln mit rosa Krallen, absolut abgefahren!
                                                         Na, welche sind wohl meine? ;-)

Den 26.12. ging ich dann mit Franzi und Suzi Pizza essen bei unserem Lieblingsitaliener. Nebenbei planten wir unseren Kurzurlaub im Cotopaxi National Park, der tagsdrauf beginnen sollte.

Frueh morgens ging es los im Ueberlandbus Richtung National Park. Beim Eingang stiegen wir aus, wurden in der Touriinfo mit nutzlichen Fakten gefuettert und mussten dann gluecklicherweise nicht die 16 km bis zum Hostel im Park laufen, sondern konnten mal wieder per Anhalter mitfahren.
Der Cotopaxi selbst ist ein noch aktiver Vulkan mit einem Eispanzer und einer atemberaubenden Mondlandschaft drum herum.
 
Die Huette, die fuer die naechsten drei Naechte unser Heim sein sollte, war einfach, ungeheizt, aber trocken. Das Restaurant, das uns die naechsten Tage mit Essen versorgen sollte, hatte dann auch gleich fuer die erste Nacht eine tolle Uebelraschung parat: verdorbenen Fisch! Einfach glaenzend!
Ach, was war die erste Nacht auf der Aussentoilette ueber einer Plastiktuete haengend und wuergend fantastisch! Trotz der kalten Unterkunft und des schlechten Essens war der Park dennoch eine Reise wert!

Silvester verbrachte ich auch ueberwiegend ruhig und beschaulich! Bis 18 Uhr hatte ich strumfreie Bude, da meine Gastmutter arbeiten musste und meine Gastgeschwister samt Oma in der Stadt unterwegs waren.
Ich nutze die Zeit, um mich von den Strapazen der Fischattacke zu erholen, schaute Dinner for one und stiess zur deutschen Mitternacht in Gedanken mit Freunden und Familie an. An dieser Stelle euch allen nachtraeglich noch gutes und frohes, neues Jahr, ich war in Gedanken bei euch!!!

Um 18 Uhr ging es dann zu einem Onkel Silvias. Mit seinem Pickup fuhren wir durch Stadt, um uns die Silvsterumzuege anzusehen und den als Witwen verkleideten Maenner, die immer wieder die Strassen blockierten und um eine kleine Spende bettelten, ein paar cent zu spenden.
 Sie tun dies, um sich vom alten Jahr zu verabschieden.


Ein weiterer Brauch ist es, Figuren aus Pappmaché zu verbrennen, die ein Ereignis des alten Jahres repraesentieren. Dies soll Glueck fuer´s neue Jahr bringen.

Anschliessend wurde im Haus des Onkels weitergefeiert, mit viel ecuadorianschem Essen und lauter Folklore. Ja, der geneigte Lser hat an dieser Stelle richtig vermutet: Es wurde wieder viel im Kreis getanzt!
Um drei Uhr morgens war die Party vorbei und alle fielen muede ins Bett!

Am 2. Januar begab ich mich dann auf grosse Reise nach Puerto López an der Kueste. Zuerst neun Stunden in einem ecuadorianischen Ueberlandbus nach Portoviejo und dann noch zwei Stunden nach Puerto López, so sah es der Plan vor.
Doch wie es bereits der Titel andeutet, kam es alles zum Ende anders als geplant! Nach einer elend langen Busfahrt mit tausend Stopps und einer technischen Panne in Porto Viejo angekommen, teilte mir der freundliche Ticketschalterbetreiber mit, dass der naechste Bus nach Puerto López erst wieder um 3 Uhr morgens des naechsten Tages faehrt.
Ein ziemlicher Schock, stelle man sich folgende Situation vor: Es ist dunkel, der Reisefuehrer empfiehlt fuer das industrielle und uncharmante Portoviejo drei ueberteuerte Absteigen weitab vom Schuss, eine Nacht alleine auf dem Busbahnhof in Portoviejo fuer mich eher zu riskant. Was also tun? Nun, so erklaert der Mann vom Schalter, es gaebe noch die Moeglichkeit die zwei Stunden nach Puerto López mit dem Taxi zu bestreiten, fuer 60 Dollar!
Uff, erstmal ein Schlag in die Magengrube, aber in diesem Augenblick erschien mir diese Option die einzig richtige.
Also, ging die Reise im Taxi weiter. Ich hatte sogar eine Begleitung in Person eines 22-jaehrigen Biostudenten aus Quito. Er war ebenfalls seit neun Uhr morgens unterwegs. Hat sich trampend mit nur fuenf Dollar in der Tasche von Quito nach Puerto López auf den Weg gemacht und sich seine Fahrten mit Jonglageeinlagen verdient! Er sollte in Puerto López ein Tauchseminar besuchen, das er fuer´s Studium braucht.
Er konnte sich zwar leider nicht an dem Taxikosten beteiligen, war aber eine nettere Gesellschaft als der grummelige Taxifahrer, der mit einem Affenzahn ueber die Landstrasse jagte und sogar mal eine Fahrbahnschikane uebersah, so dass das Taxi kurzerhand das Fliegen lernte, uff!

In eineinhalb Stunden waren wir dann am Ziel angekommen. Und im vorher gebuchten Hostel stellte sich meine Entscheidung dann als richtig heraus: Der Hostelbesitzer hatte meine Buchung wohl etewas verschlampt und so bekam ich mit Muehe und Not und bestimmtem Tonfall doch noch mein Zimmer! Waere ich erst ein Tag spaeter gekommen, wer weiss....
Das Zimmer mit eigenem Bad, Doppelbett und Balkon ist super und preiswert! Muede und fertig fiel ich ins Bett und schlief bis zum naechsten morgen durch!
Den ersten Tag verbrachte ich damit, mir das verschlafene Hippi-Fischerdorf Puerto López genauer anzuschauen, einen langen Strandspaziergang zu machen und  fuer den nachsten Tag eine Tour auf die Isla de la Plata zu buchen!
Am naechsten Morgen wurde ich erstmal mit Regen begruesst. Davon aber nicht entmutigt machte ich mich auf zum Touranbieter. Auf dem Boot angekommen wurden wir, d.h., die anderen kanadischen und amerikanischen Passagiere und ich mit einer Rettungsweste ausgestattet und los ging es ueber den schoenen tuerkisblauen Pazifik! Nach einer Stunde Bootsfahrt legten wir vor der Insel den Anker. Die Isla de la Plata ist beruehmt fuer ihre Blaufusstoepel und Frigattvogelkolonien. Aufgrund der einzigartigen Flora und Fauna wird sie auch die Galapagosinsel des armen Mannes genannt! (Reisen zum Original sind unbezahlbar!)
Die Voegel nisten ueberall auf der Insel. So kamen wir den Voegeln immer wieder bis auf wenige Meter richtig nahe. Alles sehr beeindruckend!




Nach der Wanderung ueber die Insel gab es Sandwiches und Obst auf dem Boot und das Glueck war uns hold, denn ploetzlich umkreisten uns riesige und wunscherschoene Meeresschildkroeten! Sie zogen majestaetisch ihre Kreise ums Boot und steckten immer wieder ihre faustgrossen Koepfe aus dem Wasser, um Luft zu holen!Es war ein absolut magischer und wunderbarer Augenblick, den ich nie vergessen werde!
                                                                             Hey dude!
Abschliessend hatten wir noch die Gelegenheit zu schnorcheln. Das war eine voellig neue und ungewohnte Erfahrung fuer mich. Ich habe es nur kurz geschafft, zu schnorcheln, aber so konnte ich das schoene Korallenriff und die exotischen Fische vor der Insel wenigstens ein paar Minuten bestaunen!
Danach ging es zurueck nach Puerto López, ein einfach sagenhaftes Erlebnis!
Den naechsten Tag verbrachte ich im Machalilla National Park, in dessen unmittelbaren Naehe Puerto López liegt. Die dort ansaessigen Agua Blanca,ein indigener Stamm, verwalten dort eine archaeologische Ausgrabungsstaette ihrer Vorfahren und bieten gefuehrte Touren durch den Trockenurwald zu den Fundstaetten und einer vulkanischen Lagune an. Sehr interessant!

Den letzten Tag verbrachte ich ebenfalls im National Park und besuchte die wunderschoenen Straende: Los Frailes und La Tortugita. Dort verlebte ich einen super Tag badend und spazierend.

Gleichzeitig hatte ich auch die prima Gelegenheit die Wasserresistenz meiner Sonnencreme zu testen, Praedikat: mangelhaft, obwohl Neutrogena!
Ja, das Krebsrot auf meinen Fuessen und Oberschenkeln steht mir ganz hervorragend und es brennt auch fast gar nicht!

Samstag trat ich dann meine Rueckreise nach Ambato an, nicht ohne vorher eine genauere Recherche der Busfahrplaene zu unternehmen. Das Resultat bestand dann aus einer 12stuendigen Busfahrt nach Quito, da es von dort aus bessere Verbindungen nach Ambato gibt!
So kam ich gestern nach insgesamt 14 Stunden Busmarathon um Mitternacht wieder in Ambato an, uff! Aber dieses Mal ohne Taxiintermezzo ;-) Man lernt ja dazu!

Heute empfing mich dann meine Gastfamilie mit weniger positiven Neuigkeiten: Von Franzi und Suzi erfuhr Silvia, dass man uns in der Hospedería letzten Mittwoch den Strom abgedreht hat! Angeblich wegen einer unbezahlten Rechnung, obwohl Silvia immer fristgerecht ueberwiesen hat! Des Weiteren hat der Englischlehrer seine Stelle ohne Ankuendigung gewechselt! Nun ist nicht nur unsere praktische Mitfahrgelegenheit futsch, nein, der gesamte Englischunterricht haengt nun wieder einzig und allein an Franzi und mir!
Zu allem Ueberfluss steht mir ein Woche El Salado alleine bevor, da Franz und Suzi erst jetzt einen Platz in einer Dschungeltour ergattern konnten und somit die letzte Woche gearbeitet haben und diese Woche im Urlaub sind!
Nun, ich werde naechstes Wochenende berichten, wie es sich ohne Heizluefter und andere elektrische Geraete in einer feuchtkalten Berghuette lebt, vielleicht kommt der Strom ja bald zurueck, Silvia will sich dahinterklemmen!

Nun, das war´s erstmal wieder von mir! Ich hoffe, ihr hattet alle schoene Feiertage und seid gut ins neue Jahr gerutscht!
Ich wuensche euch jedenfalls einen guten Wochenstart und sende euch liebe Gruesse aus dem wilden Ecuador!
Bis zum naechsten post!

Eure
Marijke