Hallo, liebe Blogfreunde,
viel Zeit ist seit dem letzten Eintrag vergangen. Nach einem halben Jahr kehrt aber auch in das ecuadorianische Leben langsam der Alltag ein. Dennoch gab es in den letzten Wochen ein paar "Uebel" - bzw. Ueberraschungen.
Aber der Reihe nach ...
Wie in einem frueheren post beschrieben, haben wir seit einigen Monaten drei Hunde. Unser kleinster und suessester Hund mit Namen Osito bescherte uns vor einiger Zeit ein trauriges Erlebnis. Er erkrankte an der Hundestaupe. Eine Krankheit, gegen die Hunde im Welpenalter normalerweise geimpft werden, da es dafuer kein Medikament gibt. Da Osito als Strassenhund natuerlich diese Impfung nicht erhlaten hatte, ist er nach zehn Tagen Schnupfen, Fieber und Husten gestorben. Wir haben ihn direkt neben unserem ersten Hund Mendigo begraben.
Dieses Erlebnis zeigte mir nur erneut, wie rauh das Leben fuer Mensch und Tier hier oben in den Anden sein kann.
Anfang Maerz starteten wir dann unseren Literaturmonat. Noch bis zum 29.03. oeffnen wir jeden Nachmittag von 14.30 bis 16 Uhr die Schulbibilothek, um den SchuelerInnen das Lesen etwas schmackhafter zu machen.
Wenn man die deutsche Lesekultur gewohnt ist, kann man sich eigentlich ein Leben ganz ohne Buecher kaum vorstellen. Aber hier, selbst in der Stadt, liest eigentlich so gut wie niemand in der Freizeit. Buecher sind daher auch in einem normalen Mitelklassehaushalt so gut wie nicht anzutreffen.
Gluecklicherweise erfreut sich die Schulbibliothek nach einigen Starschwierigkeiten nun einiger Beliebtheit und es gibt immerhin eine Handvoll SchuelerInnen, die regelmaessig zum Lesen kommt. Erschreckend ist nur, dass viele der Zweit- und Drittklaessler nur sehr stockend lesen.
Vielleicht ist bei einigen Kindern das Interesse an der Lektuere auch weiterhin so gross, dass sie von sich aus, Buecher aus der Bibiliothek ausleihen. Geplant ist zumindest, die SchuelerInnen, die im Maerz am haeufisten da waren und die meisten Buecher gelesen haben, mit einem Buchpreis zu belohnen.
Am 8. Maerz kuendigte sich dann die naechste Ueberraschung an. Wir wurden ganz unerwartet zu einer Lehrerversammlung gerufen. Zuerst gingen wir vom Schlimmsten aus. Jedoch entpuppte sich das Ganze als Einladung zum Tag der Frau. Die maennlichen Kollegen hatten ein Essen fuer uns Frauen vorbereitet. Der Tisch im Leherzimmer war gedeckt und vor dem Essen zitierten unsere beiden Direktoren die Frau lobende Gedichte und es wurde zu unseren Ehren gesungen. Suzi, Franzi und ich waren voellig geplaettet.
Am 11. Maerz feierte ich mit Franzi, Suzi, meiner Familie und einigen ihrer Verwandten meinen Geburtstag. Trotz erneuter Magen-Darm-Beschwerden koennte ich das Geburtstagsessen und ein Stueck Torte einigermassen geniessen. Traditionsgemaess musste ich nicht nur die Kerze auspusten sondern auch in die Torte beissen, wobei mir wie jedem ecuadorianschem Geburtstagskind von den Umstehenden mit einem Stups nachgeholfen wurde, so dass ich mit dem ganzen Gesicht im Kuchen landete.
Seit Mitte Maerz scheint nun auch endlich die Regenzeit ueberstanden zu sein. Jedenfalls ist es jetzt deutlich trockener und sonniger. Einziger negativer Nebeneffekt ist nun die Wasserknappheit, von der das ganze Dorf betroffen ist. Jedenfalls faellt bei uns seit zehn Tagen immer wieder das Wasser aus. Um unsere Wasserversorgung aber troztdem zu gewaehrleisten, fuellen wir nun immer, wenn wir Wasser haben unsere leeren Trinkwasserkanister mit Letungswasser auf. Unser Improvisationstalent wird also ein weiteres Mal auf die Probe gestellt.
Abschliessen moechte ich diesen post mit einer kleinen Anekdote aus dem Alltag.
Wie ich bereits beschrieben habe, trampen wir jeden Freitag immer nach Ambato, da es keinen Bus gibt.
Nun, beim Trampen ist es wie bei einer Schachtel Pralinen ;-), man weiss nie, welchen Fahrer und welches Auto man bekommt. Es gibt jedoch eine Faustregel: Je moderner das Auto, desto schneller und waghalsiger der Fahrer.
Diese Regel wurde vom Fahrer, der mich am Freitag mitnahm, wieder einmal bestaetigt. Mit seinem Ford V8 Pickup, auf dessen Ladeflaeche ich mitfuhr, flogen wir mit ca. 80 km/h nur so durch die Serpentinen und ueber saemtlich Bruecken, so dass mein Magen zusehen musste, wie er hinterherkam.
Auf halber Strecke durfte ich dann noch Augenzeugin einer weiteren ecuadorianischen (Un)sitte werden: Das oeffentliche Urinieren.
Der ecuadoriansche Mann uriniert oft und gerne ungeniert auf der Strasse an Hauswaende oder eben vor sowie hinter sein Auto.So auch mein Fahrer, der seinen Wagen stoppte, ausstieg, mir mitteilte: "Voy a orinar" und ausgiebig vor seine Motorhaube pinkelte. Danach ging´s dann im Affenzahn weiter nach Ambato. Was fuer einen Hoellenritt!
Morgen in der Frueh werde ich dann nocheinmal die ecuadorianischen Ueberlandbusse "geniessen" koennen. Ich breche zu meinem letzten Urlaub in Ecuador auf. Zwei Tage Cuenca und eine Woche Vilcabamba stehen auf dem Programm. Am 10.04. kehre ich dann nach El Salado zureck, um die letzten fuenf Wochen Arbeit anzutreten. Eine Woche spaeter, am 26.05., heisst es dann: "Adiós Ecuador, hola Alemania".
Tja, wie schnell die Zeit doch verfliegt!
Da der PC hier mal wieder seine speziellen fuenf Minuten hat, werde ich die Fotos zu diesem Eintrag wie ueblich nachliefern. Der post vom 19. Februar ist mittlerweile mit Bildmaterial versehen. Ein zweiter Blick lohnt sich also :-)!
Nun, bis zum naechsten post, den Niedersachsen und Schleswig-Holsteinern schonmal schoene Osterferien!
Alles Gute und muchos saludos.
Marijke
Muy grato haberla conocido en ese transporte hasta Vilcabamba. Usted es una persona suave, atenta y abierta a mis observaciones y comentarios. Espero que la este pasando bien. Espero que me visite en el blog: http://vaausuaia.blogspot.com/ y me deje sus comentarios.
AntwortenLöschenDios la bendiga!
Hallo Marijkchen, heute ist der 09.April und so hoffe ich, dass du morgen diese Zeilen lesen kannst wenn du aus deinem Urlaub zurück bist. Thomi und ich waren über Ostern in Kühlungsborn und haben einen Wettermix hinter uns: Nordseewellen und Sturm wechselten sich mit Traumwetter uns Sonne ab. Ich habe mir sogar die Nase verbrannt! Sonntag kam dann Überraschungsbesuch aus Rensburg dein Vater und Nicole kamen zum Kaffeetrinken zu uns. Omi macht gerade wieder eine ihrer Busfahrten, dieses mal ins "Ossiland" nach Bautzen, sie hatte keine Lust zuhause "rumzugammeln" O-Ton deiner Großmutter!! Ich wünsche dir noch eine gute Zeit in deinem Dorf ohne weitere Todesfälle, laß es dir gutgehen und pass weiterhin auf dich auf! Alles Liebe deine Tante Tina
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