Mittwoch, 23. Mai 2012

Ein Kreis schliesst sich

Liebe Blogleser,

dies ist nun der letzte post dieses Blogs, den ich euch wie angekuendigt aus Quito schreibe.
Die letzte Woche war sehr ereignisreich und voller Emotionen.
An den letzten beiden Arbeitstagen in El Salado verabschiedete ich mich von meinen beiden Englischklassen und noch weiteren SchuelerInnen, mit denen ich in den acht Monaten intensiver gearbeitet habe.



Am Dienstag meinem letzten Unterrichtstag luden uns die Lehrer zu einem Abschiedsessen ein. Es gab Llapingachos, eine Art Kartoffelpuffer, mein Lieblingsessen.

Am Dienstagabend luden wir noch einige Schuelerinnen der 12. Klasse und ihrer Muetter zu uns in die hospedería ein. Es war ein Dankeschoen fuer die gemeinsamen Ausfluege ins Hochland, die sie mit Suzi und Franzi unternommen hatten. Wir servierten Chili con carne, dazu Broetchen und nichtalkoholhischen Punsch.
Dieses Treffen provozierte einen unerwarteten Zusammenprall der Kulturen. Denn die Landbevoelkerung in und um El Salado isst eigentlich nur leicht gesalzene Suppen und Gerichte. Mit dem vielfaeltig gewuerzten Chili waren sie einfach ueberfordert. Waehrend zwei Maedchen tapfer drauflos loeffelten, mussten sich viele bereits nach dem ersten Bissen geschlagen geben und griffen lieber zu Broetchen, Keksen und Punsch.
Selten habe ich so lachen muessen, da ich die Situation einfach nur unerwartet ueberraschend fand. Bald schon lagen wir alle lachend unter dem Tisch. Trotz dieser Panne war es ein lustiger und schoener Abend fuer alle.
Mittwoch schossen wir noch ein gemeinsames Foto mit der ganzen Schule. Am Nachmittag fuhr ich dann nach mehrfachen Verabschiedungen von vielen Schuelern gemeinsam mit den Lehrern ein letztes Mal nach unten.

Die letzten sechs Tage verbrachte ich mit meiner Gastfamilie in Ambato. Ich kaufte einige CDs mit typischer, ecuadorianischer Musik und einen Hut fuer mich. Zudem verabschiedete ich mich noch von Anita, einer unserer Ansprechpartnerinnen, die uns in einigen Projekten unterstuetzend zur Seite stand.

Gestern ging es dann in einem Taxi collectivo (Intercity-Sammeltaxi) nach Quito. Diese Art Taxi bringt einen von der Haustuer direkt zum gewuenschten Ziel. Es kostet genauso viel wie die Fahrt mit dem Bus+Taxi vom ZOB zum Hostal, ist aber sicherer und bequemer. Ein toller Service.

Heute stand erstmal Souvenirshoppen auf dem Plan. Saemtlich gewebten Kleidungstuecke und Acessoires sindnun in meinem Besitz. Morgen fahre noch nach Otavalo, um die restlichen Mitbringsel zu erstehen.

Freitag ist ein nationaler Ferientag. Somit werde ich die Zeit mit packen und lesen verbringen. Abends kommen dann noch Franzi und Suzi vorbei, damit wir in Suzis Geburtstag hineinfeiern koennen.
Dieses Unterfangen wird allerdings allzu lang ausarten, da ich am Samstag Morgen um 7 Uhr am Flughafen sein muss.

Nun, in drei Tagen ist mein Aufenthalt hier also endgueltig vorbei.
Auch wenn es manchmal schwierige Situationen zu bewaeltigen gab und ich mich hin und wieder ueber etwas geaergert habe (z.B. die ecuadorianische Unpuenktlichkeit), so bereue ich die Entscheidung acht Monate in Ecuador gelebt zu haben keineswegs. Es war eine schoene und wichtige Zeit fuer mich. Schoen, weil ich viele kostbare Erfahrungen machen duerfte, die mich persoenlich weitergebracht haben. Wichtig, da ich einige sehr nette und besondere Personen kennen lernte sowie auch mein Spanisch noch erheblich habe verbessern koennen. Ich besuchte zahlreiche, wunderschoene und interessante Orte und habe viel von der ecuadorianischen Kultur erfahren koennen. Ganz so, wie ich es mir vorgestellt und gewuenscht habe.

Nun bleibt mir nur noch, mich bei euch allen fuer das regelmaessige Lesen und Kommentieren meines Blogs zu bedanken. Ich hatte mir vorgenommen, euch durch diesen Blog mit auf meine Reise zu nehmen und euch ein wenig an meinem Leben in Ecuador teilhaben zu lassen.
Ich hoffe, es ist mir gelungen.

Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit euch in Deutschland.
Bis dahin. ¡Muchos saludos y hasta pronto!

Eure
Marijke

Samstag, 12. Mai 2012

Die letzten drei Wochen

Liebe Blogfreunde,

es ist mal wieder Zeit fuer einen neuen Eintrag. Diejenigen, die meinen Blog bis jetzt regelmaessig gelesen haben, werden richtig vermuten, dass es nicht mehr viele posts geben wird. Denn mir bleiben von heute an noch genau zwei Wochen bis zum Rueckflug nach Deutschland.
Daher moechte ich euch kurz schildern, was sich in den letzten Wochen zugetragen hat.

Nach meinem Wellnessurlaub in Vilcabamba hatte mich der Arbeitsalltag und die Kaelte der hospedería schnell wieder.
Am 26.4. war es denn auch endlich soweit und wir haben gemeinsam mit drei Lehrerinnen des colegio den Gesundheitstag (8.5.) fuer die Schueler vorbeitet. Es wurde ein kurzes Theaterstueck fuer die Grundschueler zur Relevanz des taeglichen Zaehneputzens verfasst. Dazu bastelten wir noch drei Protagonisten: Lama, Hase und Esel, wobei das Lama (von mir gespielt), unter grossen Zahnschmerzen litt und von Doktor Hase und dem vorbildlichen Esel belehrt wurde.
Die alteren Schueler wurden mit Lernplakaten und einem Kurzvortag informiert. Anschliessend gab es fuer jedes Kind eine Zahnpasta und Buerste gratis sowie das gemeinsame Zaehneputzen zur Uebung.
Die Zahnbuersten und Pasten besorgte uns Anita, die dafuer ihre Beziehung zu einer Zahnaerztin in Ambato spielen liess.
Die Eltern wurden mittels Power-Point-Praesentation ueber die Zahngesundheit und -pflege aufgeklaert!
Es gibt sogar ein paar Grundschueler, die sich nun jeden Tag in der Schule die Zaehne putzten.
Der Tag scheint also schon Fruechte zu tragen!



Am 30.4. zeichneten wir dann fuenf Kinder mit Buchpresien und Buntstiften aus. Sie erhielten die Praemien fuer die rege Teilnahme am Literaturmonat und waren sichtlich geruehrt als sie waehrend des montaeglichen Morgensaluts vor den Augen ihrer Mitschueler ausgerufen wurden.
Am gleichen Tag fand noch ein didaktisches Konzert des Regierungsorchesters der Provinz Tungurahua fuer die ganze Schule statt. Der Dirigent und seine Musiker erklaerten den Kinder die einzelnen Instrumente von der Klarinette bis zum Schlagzeug und erlaeuteren zudem noch die Arbeitsweise eines Orchesters. Es wurden den Kindern bekannte Stuecke vorgspielt und zwei Schueler durften sogar praktische Erfahrungen als Dirigenten sammeln. Da die beiden sehr schuechtern waren, wurde ich noch ueberraschenderweise ebenfalls zu dieser Uebung genoetigt. Eine witzige Erfahrung mit Taktstock auf dem Podest zu stehen und ein Orchester zu dirigieren.

Ein weiteres Highlight der letzten drei Wochen stellte das Fliewatue da. Ein Meerschweinchen, das wir von einer Schuelerin geschenkt bekamen und fuer das wir gleich darauf einen grossen Kaefig gezimmert haben.
Angemerkt sei uebrings, dass ich fuer die Namensgebung nicht verantwortlich bin ;-)!
                               Es ist das rechte Meerschwein, das andere verstarb leider nach einer Woche.

Ansonsten machte und macht es uns das Wetter mal wieder nicht einfach. Viel Regen und morgendliche Temperaturen von 9 Grad innen und aussen zerren schon manchmal ziemlich an unseren Nerven.
Eigentlich wollten wir laengst die hospedería von aussen mit den Kindern gestrichen haben, aber der Regen laesst uns kaum eine Chance. Immerhin schafften wir es, die Ecuadorflagge samt Wappen an eine Hauswand zu pinseln.
                                    Hier nur das Wappen, welches das Zentrum der Flagge darstellt.

Am Donnerstag wurde dann noch der Muttertag vorgzogen in der Schule gefeiert, so dass mal wieder der Unterricht ausfiel. Die Schueler ehrten ihre Muetter mit Gedichten, Liedern und Blumen. Die Lehrer bedachten die Muetter mit Reden, Essen, Liedern und Tanz.

Eigentlich eine nette Sache, wenn nicht zu Lasten des Unterrichts, denn eigentlich begeht man den Muttertag ja am Sonntag in der Familie.
Zudem waren die Lehrer nicht verantwortugngsbewusst genug, um den Klassenraum des 11. und 12 Jhgs. der fuer die Feierlichkeiten genutzt wurde,  wieder aufzuraeumen. So musste ich den Tag drauf in den PC-Raum ausweichen. In Deutschland waere sowas undenkbar!

Morgen fahre ich das letzte Mal nach oben in die Berge, um noch bis Dienstag zu arbeiten. Mittwoch wird fuer mich der Tag des Abschiednehmens sein. Ich hoffe, dass meine Schueler und ich nicht allzu betruebt sein werden. Meine Englischklassen wird bis zum Schuljahresende Franzi uebernehmen.
Am 16.05 werde ich das letzte Mal nach unten trampen und noch bis zum 22.05 in Ambato bei meiner Gastfamilie verweilen, von der ich mich dann auch verabschieden muss. Das wird bestimmt ziemlich hart, da mich meine Gastmutter und ihre beiden Enkelinnen, glaub ich, schon ziemlich ins Herz geschlossen haben.
Die letzten vier Tage verbringe ich noch in Gerds Hostal in Quito. Der Ort, wo fuer mich vor acht Monaten alles begann. Ein weiterer Lebensabschnitt wird sich so fuer mich abschliessen. Ein komisches und sehr facettenreiches Gefuehl!

Der letzte post wird euch somit aus Quito erreichen. Dann werde ich wohl auch endlich Gelegenheit haben, diesen Eintrag mit Fotos zu versehen, Denn, ja ihr ahnt es schon, dieser PC weigert sich mal weider Bilder hochzuladen.

Nun, alles Liebe aus Ecuador. Habt es gut.
Bis bald.
Eure
Marijke

Sonntag, 15. April 2012

Einmal ins Paradies und zurueck!

Liebe Blogfreunde,

in zwei Stunden geht´s wieder nach oben in die Berge, daher will ich die Zeit nutzen und euch ein wenig von meiner Reise nach Cuenca und Vilcabamba berichten.

Am 26.03. ging es um 1 Uhr morgens mit dem Nachtbus zwischen Rucksack und Vordermann eingequetscht wie eine Sardine nach Cuenca.Nach siebenstuendiger Busfahrt in Cuenca angekommen, fiel ich   schlaftrunkend ins naechste Taxi und liess mich zu meinem Hostal im Zentrum chauffieren.
Das Hostal war mal wieder ein Gluecksgriff: Das Bett im 5-Bettzimmer in Ordnung, das Badezimmer sauber und die Gemeinschaftskueche gut ausgestattet. Nachdem ich mein Gepaeck im Zimmer abgeladen hatte,
ging´s gleich los auf Stadterkundungstour, aber nicht ohne vorher in einem kleinen Café gefruehstueckt zu haben.
Cuenca hat eine schoene Altstadt, die sogar zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Mein Rundgang fuehrt mich zuerst zum Parque Calderón, einem kleinen Stadtpark mit Musik. Nebenan gab´s gleich die naechsten  Sehenswuerdigkeiten: die neue Cathedrale sowie den Plazoleta del Carmen mit dem wunderschoenen Blumenmarkt.

Danach fuehrte mich mein Spaziergang zum Plaza de San Francisco, wo es taeglich einen Kunsthandwerkermarkt zu bestaunen gibt, auf dem man auch den beruehmten, ecuadorianischen Panamahut kaufen kann.Meinen Rundgang beendete ich dann an den Flussufern des Río Tomebamba, an denen sich wunderschoene alte Haeuser befinden.

Aufgrund meiner kurzen Nacht im Bus liess ich den Tag frueh auf der Dachterrasse des Hostals mit selbstgekochten Spaghetti ausklingen.

Den naechsten Tag verbrachte ich im Museo Pumapungo, einem Museum zur indigenen Kultur Ecuadors.
Danach besuchte ich noch die archeologischen Ausgrabungen einer Militaeranlage der alten Inkas.

Nach einem Mittagessen im Museo del Sombrero kaufte ich noch einen Panamahut fuer meine Tante und Obst fuer das Abendbrot. Wer sich immernoch fragt, was jetzt der Panamahut mit Ecuador zutun hat, dem sei erlaeutert, dass er auch wirklich aus Ecuador kommt. Faelschlicherweise wurde er Panamahut genannt, weil ihn die Erbauer des gleichnamigen Kanals getragen haben und auch Praesident Roosevelt, als er die Bauarbeiten dieser Wasserstrasse besuchte.
So, nun aber genug mit der Belehrung, am folgenden Tag, dem 28.03. fuhr ich weiter nach Vilcamba. Nach sechsstuendiger Busfahrt inklusive Begegnung mit Gabriel aus Kolumbien, der in sechs Monaten bis nach Feuerland reisen will, kam ich im Hostal Izcayluma an und waehnte mich sofort im Paradies.
Das gesamte Hostalgelaende war wie ein exotischer botanischer Garten. Dazu verfuegte es noch ueber eine wunderschoene Poollandschaft und einen Wellnessbereich mit Massageangebot etc. Das Bild komplett machte das Panaromarestaurant, das Dank seiner deutschen Besitzer auch deutsche Kost anbot. Fuer mich eine willkomme kulinarische Abwechslung. So gab es fuer mich zum Mittagessen erstmal, wer
haett´s gedacht, eine leckere Currywurst mit Pommes, goettlich!


                                                        Suedanden oder doch Suedtirol???
Die naechsten Tage verbrachte ich in netter Gesellschaft von drei Deutschen (zwei Freiwilligen und einer Medizinstudentin) sowie spaeter einem neuseelaendischen Paar und einem aus Manchester.
Mit den drei deutschen Maedels war ich zweimal Wandern, einen Tag sogar im Nebelwald des Podocarpus Nationalparks.
                                                                    Im Nebelwald
Ansonsten habe ich viel relaxt, in der Haengematte liegend gelesen, im Pool gebadet, mir eine Massage gegoennt, das superleckere Fruehstuecksbueffet gepluendert (mit selbstgebackenen Bauernbrot, Crepes und selbstgeroestetem Kaffee) und einfach nur das Leben genossen. Kurzum eine herrlich Woche verbracht!
Am 04.04.reiste ich dann wieder zurueck nach Ambato, um dort noch ein recht ereignisloses Osterwochenende zu verbringen.

Nun liegt die erste Arbeitswoche in El Salado schon wieder hinter mir. Mittlerweile haben wir auch wieder Wasser, da vor vier Wochen eine Rohrleitung geplatzt war, die nun endlich wieder repariert zu sein scheint.
Tja, noch vier weitere Arbeitswochen stehen mir von morgen an bevor. Dann ist es geschafft!
Mit jedem Tag werde ich ein wenig kribbeliger vor Vorfreude auf Deutschland.

Scheinbar habe ich auch naechste Woche das Problem des Fotohochladens geloest. Es liegt wohl am falschen Browser. Mit der Erlaubnis meines Gastvaters werde ich demnaechst den Firefox installieren. Dann sollte es wieder klappen.

Also, meine Lieben, bis zum naechsten post.

Muchos saludos
Marijke

Sonntag, 25. März 2012

Im Westen (fast) nichts Neues

Hallo, liebe Blogfreunde,

viel Zeit ist seit dem letzten Eintrag vergangen. Nach einem halben Jahr kehrt aber auch in das ecuadorianische Leben langsam der Alltag ein. Dennoch gab es in den letzten Wochen ein paar "Uebel" - bzw. Ueberraschungen.
Aber der Reihe nach ...

Wie in einem frueheren post beschrieben, haben wir seit einigen Monaten drei Hunde. Unser kleinster und suessester Hund mit Namen Osito bescherte uns vor einiger Zeit ein trauriges Erlebnis. Er erkrankte an der Hundestaupe. Eine Krankheit, gegen die Hunde im Welpenalter normalerweise geimpft werden, da es dafuer kein Medikament gibt. Da Osito als Strassenhund natuerlich diese Impfung nicht erhlaten hatte, ist er nach zehn Tagen Schnupfen, Fieber und Husten gestorben. Wir haben ihn direkt neben unserem ersten Hund Mendigo begraben.
Dieses Erlebnis zeigte mir nur erneut, wie rauh das Leben fuer Mensch und Tier hier oben in den Anden sein kann.

Anfang Maerz starteten wir dann unseren Literaturmonat. Noch bis zum 29.03. oeffnen wir jeden Nachmittag von 14.30 bis 16 Uhr die Schulbibilothek, um den SchuelerInnen das Lesen etwas schmackhafter zu machen.
Wenn man die deutsche Lesekultur gewohnt ist, kann man sich eigentlich ein Leben ganz ohne Buecher kaum vorstellen. Aber hier, selbst in der Stadt, liest eigentlich so gut wie niemand in der Freizeit. Buecher sind daher auch in einem normalen Mitelklassehaushalt so gut wie nicht anzutreffen.
Gluecklicherweise erfreut sich die Schulbibliothek nach einigen Starschwierigkeiten nun einiger Beliebtheit und es gibt immerhin eine Handvoll SchuelerInnen, die regelmaessig zum Lesen kommt. Erschreckend ist nur, dass viele der Zweit- und Drittklaessler nur sehr stockend lesen.


Vielleicht ist bei einigen Kindern das Interesse an der Lektuere auch weiterhin so gross, dass sie von sich aus, Buecher aus der Bibiliothek ausleihen. Geplant ist zumindest, die SchuelerInnen, die im Maerz am haeufisten da waren und die meisten Buecher gelesen haben, mit einem Buchpreis zu belohnen.

Am 8. Maerz kuendigte sich dann die naechste Ueberraschung an. Wir wurden ganz unerwartet zu einer Lehrerversammlung gerufen. Zuerst gingen wir vom Schlimmsten aus. Jedoch entpuppte sich das Ganze als Einladung zum Tag der Frau. Die maennlichen Kollegen hatten ein Essen fuer uns Frauen vorbereitet. Der Tisch im Leherzimmer war gedeckt und vor dem Essen zitierten unsere beiden Direktoren die Frau lobende Gedichte und es wurde zu unseren Ehren gesungen. Suzi, Franzi und ich waren voellig geplaettet.

Am 11. Maerz feierte ich mit Franzi, Suzi, meiner Familie und einigen ihrer Verwandten meinen Geburtstag. Trotz erneuter Magen-Darm-Beschwerden koennte ich das Geburtstagsessen und ein Stueck Torte einigermassen geniessen. Traditionsgemaess musste ich nicht nur die Kerze auspusten sondern auch in die Torte beissen, wobei mir wie jedem ecuadorianschem Geburtstagskind von den Umstehenden mit einem Stups nachgeholfen wurde, so dass ich mit dem ganzen Gesicht im Kuchen landete.

Seit Mitte Maerz scheint nun auch endlich die Regenzeit ueberstanden zu sein. Jedenfalls ist es jetzt deutlich trockener und sonniger. Einziger negativer Nebeneffekt ist nun die Wasserknappheit, von der das ganze Dorf betroffen ist. Jedenfalls faellt bei uns seit zehn Tagen immer wieder das Wasser aus. Um unsere Wasserversorgung aber troztdem zu gewaehrleisten, fuellen wir nun immer, wenn wir Wasser haben unsere leeren Trinkwasserkanister mit Letungswasser auf. Unser Improvisationstalent wird also ein weiteres Mal auf die Probe gestellt.

Abschliessen moechte ich diesen post mit einer kleinen Anekdote aus dem Alltag.
Wie ich bereits beschrieben habe, trampen wir jeden Freitag immer nach Ambato, da es keinen Bus gibt.
Nun, beim Trampen ist es wie bei einer Schachtel Pralinen ;-), man weiss nie, welchen Fahrer und welches Auto man bekommt. Es gibt jedoch eine Faustregel: Je moderner das Auto, desto schneller und waghalsiger der Fahrer.
Diese Regel wurde vom Fahrer, der mich am Freitag mitnahm, wieder einmal bestaetigt. Mit seinem Ford V8 Pickup, auf dessen Ladeflaeche ich mitfuhr, flogen wir mit ca. 80 km/h nur so durch die Serpentinen und ueber saemtlich Bruecken, so dass mein Magen zusehen musste, wie er hinterherkam.
Auf halber Strecke durfte ich dann noch Augenzeugin einer weiteren ecuadorianischen (Un)sitte werden: Das oeffentliche Urinieren.
Der ecuadoriansche Mann uriniert oft und gerne ungeniert auf der Strasse an Hauswaende oder eben vor sowie hinter sein Auto.So auch mein Fahrer, der seinen Wagen stoppte, ausstieg, mir mitteilte: "Voy a orinar" und ausgiebig vor seine Motorhaube pinkelte. Danach ging´s dann im Affenzahn weiter nach Ambato. Was fuer einen Hoellenritt!

Morgen in der Frueh werde ich dann nocheinmal die ecuadorianischen Ueberlandbusse "geniessen" koennen. Ich breche zu meinem letzten Urlaub in Ecuador auf. Zwei Tage Cuenca und eine Woche Vilcabamba stehen auf dem Programm. Am 10.04. kehre ich dann nach El Salado zureck, um die letzten fuenf Wochen Arbeit anzutreten. Eine Woche spaeter, am 26.05., heisst es dann: "Adiós Ecuador, hola Alemania".
Tja, wie schnell die Zeit doch verfliegt!

Da der PC hier mal wieder seine speziellen fuenf Minuten hat, werde ich die Fotos zu diesem Eintrag wie ueblich nachliefern. Der post vom 19. Februar ist mittlerweile mit Bildmaterial versehen. Ein zweiter Blick lohnt sich also :-)!

Nun, bis zum naechsten post, den Niedersachsen und Schleswig-Holsteinern schonmal schoene Osterferien!
Alles Gute und muchos saludos.

Marijke

Sonntag, 19. Februar 2012

Chaos, Karneval und Kloromantik

Hallo, ihr Lieben,

nach drei Wochen Schreibpause gibt es wieder einen neuen post aus Ecuador!

Nachdem sich das eigenverantwortliche Unterrichten gut eingespielt hatte, wurde uns vor zwei Wochen dann gleich wieder ein neuer Englisch- und Informatiklehrer vorgestellt! Wir waren natuerlich alles andere als erfreut, da sich gerade die Routine eingestellt hatte. Zudem ist  fuer die Schueler ein staendiger Lehrerwechsel sicherlich auch nicht ideal!
Darueber hinaus verfuegt er nach eigenen Angaben nur ueber grundlegende Englischkenntnisse, was natuerlich auf qualitativ hochwertigen Unterricht schliessen laesst! Wir werden sehen und ich werde berichten!!!

Davon abgesehen, fand am 2. und 3. Februar ein Sportfest in unserer Schule statt, an dem auch Jugendliche und deren Eltern sowie Lehrer anderer colegios teilnahmen.
Das Ganze lief nach ecuadorianischer Manier, d.h., eher chaotisch ab. Trotzdem eine interessante Erfahrung!


Letzten Mittwoch besuchten wir dann eine Schule im kleinen Oertchen Chibuleo. Sie wird von einem Ecuadorianer geleitet, der eng mit den Leuten von Stupor mundi befreundet ist und seit einem Aufenthalt in Deutschland, die Schule nach deutschem Vorbild organisiert und fuehrt!
Es war schoen zu sehen, dass es auch anders bzw. besser geht als in El Salado. Die Lehrer in Chibuleo wirken jedenfalls sehr kompetent und engagiert! Die Klassenzimmer sind sehr sauber, jeder Schueler hat seinen eigenen Tisch und Stuhl etc.

Am Freitag fand dann auch gleich die naechste Festivitaet statt: Karneval.
Oben in den Bergen normalerweise mit viel "Schweinkram" verbunden. So bewirft man sich ueblicherweise mit Eiern oder Maisstaerke und besprueht sich mit Wasser oder Rasierschaum. Es gibt auch Umzuege mit geschueckten Autos, mit Lametta dekorierten Lamas (die das eigentlich gar nicht so toll finden) und Pferden.

Da mir das ganze Prozedere nicht unbedingt behagte, bin ich Freitag schon frueh nach Ambato aufgebrochen, was sich nachtraeglich als gute Idee erwies, da sich mal wieder mein Magen meldete und mir drei unruhige Naechte und Tage auf der Toilette verschaffte. Ein gemuetlicheren Ort gibt es wohl kaum zum Verweilen! Gluecklicherweise waren der Montag und Dienstag Karnevalsferien, so dass ich  mich ohne Zeitdruck erholen konnte.

Trotzdem liess ich es mir nicht nehmen, an den beruehmten Karnevalfestivitaeten Ambatos wenigstens in Ansaetzen teilzuhaben. Hier heisst Karneval "fiesta de la fruta y las flores" (Fest der Frucht und der Blumen). Die Umzugswagen der Parade am Sonntag waren daher mit Fruechten und Blumen geschmueckt und auf jedem Wagen stand eine gekuerte Karnevalsprinzessin in Seidenkleid, Blumen und Obst werfend. Begleitet wurde das Ganze von diversen Tanzensembles und Blaskapellen.

Zusaetzlich gab es noch erstmalig ein Rockfestival im Fussballstadion, zu dem ich mit Franzi, Silvia sowie ihrem Ehemann und Bruder hingegangen bin.
Es spielten insgesamt sieben Rock- bzw Metalbands aus Ecuador, Mexiko und Spanien und sollte ein besonderes Erlebniss fuer uns werden.
Dazu muss man wissen, dass sich unsere Sitzplaetze in den hintersten Raengen befanden, da wir nicht gewillt waren, 40 Dollar fuer eine Karte direkt vor der Buehne zu zahlen.
Es gab darueber hinaus noch auf dem Spielfeld Stehplaetze fuer 25 Dollar.
Das Besondere war, dass irgendwann kurz nach der ersten Band, die Zuschauer auf dem Spielfeld die Barriere stuermten und in den Bereich direkt vor der Buehen rannten. Die Polizei war total ueberrumpelt worden.
Davon angestachelt versuchten nun auch Leute in unserem Bereich das Stahltor zum Spielfeld aufzubrechen, was ihnen nach langem Gerangel und Krawall mit den heranstuermenden Soldaten und Polizisten auch gelang, so dass wir nachdem sich die Situation beruhigt hatte auch auf das Spielfeld gelangten und naeher an der Buehne sein konnten.
Alles in allem eine Situation, die auf deutschen Festivals und Konzerten eher selten passiert, wenn nicht sogar undenkbar ist.Nach sieben Stunden Dauerbeschallung verliessen wir dann alle uebermuedet um 3 Uhr morgens das Gelaende!
Das war auf jeden Fall Karneval der ganz anderen Art!

Morgen heisst es dann wieder "back to business": Sachen packen und ab nach El Salado. Hoffentlich ist uns das Wetter oben gewogen. Bei Sonnenschein laesst es sich einfach besser leben dort oben.

In Deutschland scheint sich die Kaeltewelle ja auch wieder zureckgezogen zu haben.
Fuer den Fall der Faelle schicke ich euch ein paar warme Sonnenstrahlen aus Ecuador ;-)!

Also dann. Bis zum naechsten post.

Muchos saludos.

Eure Marijke

Samstag, 28. Januar 2012

Strom aus, Strom an und Quito

Hallo, ihr Lieben,

es ist mal wieder an der Zeit fuer einen neuen post!

Seit meinem Urlaub an der Kueste ist jedoch nicht allzu viel passiert, daher halte ich mich mit belanglosen Alltagsgeschichten moeglichst kurz und werde dafuer ein paar mehr Fotos hochladen, falls mich der PC des Intercafes laesst!

Die erste Woche nach den Ferien verbrachte ich allein in der Huette, da Franzi und Suzi im Dschungel unterwegs waren. Der Strom wurde die ganze Woche ueber nicht wieder eingeschaltet, daher verbrachte ich die Abende bei gemuetlichem Kerzenschein, der noch gemuetlicher mit Heizluefter gewesen waere!!!
Mit Hilfe einer Waermflasche auf den Beinen, Handschuh, Schal und Muetze liess es sich doch einigermassen aushalten.

Die zweite Woche haben Franzi und ich dann mit dem eingenverantwortlichen Englischunterricht angefangen, da der eigentliche Enlischlehrer lieber seinen Zeitvertrag fuer eine feste Stelle in der Stadt getauscht hat.
Nach anfaenglichen Disziplinproblemen akzeptieren uns die Schueler jetzt als vollwertige Lehrkraefte und das Unterrichten macht wieder Spass!


Zur Zeit haben wir wieder drei Hof- Hunde, die uns zugelaufen bzw. als Dauerleihgabe einer Schuelerin vermacht wurden. Die drei "Knallkoeppe", wie ich sie manchmal gerne nenne, haben immer mal wieder Unsinn vor und bieten eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag!

Dieses Wochenende verbringen wir in Quito, wieder in Gerds Hostel. Es ist witzig nach vier Monaten wieder hier zu sein, an dem Ort, an dem fuer mich alles begann. Mit den Erfahrungen, die ich bis jetzt gemacht habe, sehe ich die Stadt doch mit anderen Augen!
Waehrend Suzi und Franzi ein volles Programm zu bewaeltigen haben: Tour auf die Galapagosinseln buchen, Flug aendern und ein Nasenpiercing stechen lassen, geniesse ich die Ruhe und lasse mich durch das Viertel treiben.
Morgen muessen wir dann schon wieder nach Ambato, Lebensmittel einkaufen, Sachen packen. Alltag eben!

So, nun folgen die versprochenen Fotos! Viel Spass damit und ganz liebe Gruesse an euch alle!!!
Marijke

Unsere  "Knallkoepfe":


                                                                 Drei 10. Klaessler

Einige Schueler und Kindergartenkinder:


Sonntag, 8. Januar 2012

Wenn einer eine Reise tut...

... dann kann er was erleben. Dass das Positives aber auch Negatives bedeuten kann, wenn man in Ecuador unterwegs ist, kann man leicht durch sich verbreitende Vorfreude vergessen.

Aber eins nach dem anderen. Immerhin sind ueber zwei Wochen seit dem letzten post vergangen.
Beginnen wir also dort, wo der vorige Bericht aufhoerte: bei der Schulweihnachtsfeier.

Am 22.12. fanden Franzi und ich uns um 8 Uhr morgens in der Schule ein.
Jede Klasse hatte in ihren Klassenzimmern in tagelanger Kleinstarbeit eine Krippe errichtet. Unter uns eine kitschiger als die andere, aber der ganze Stolz der Kinder. Deshalb habe ich auch fleissig Fotos geschossen und gelobt.


Im Verlauf der Feier sollte noch die schoenste Krippe gekuert werden. Als naechster Programmpunkt folgte dann der christliche Umzug, bei dem viele Schueler als Figuren der Weihnachtsgeschichte verkleidet auf der Landstrasse ins Schulgelaende einzogen. Die Heiligen Drei Koenige kamen sogar zu Pferd geritten. Die Hirten fuehrten mit Lametta geschmueckte Schafe an der Leine, ein Akt, der den wild bloeckenden Schafen ueberhaupt nicht gefiel, aber bitte...


Nach dem Umzug wurden verschiedene Wettkampfspiele durchgefuehrt, wie Eierwettlauf oder die Reise nach Jerusalem.
Nach der Preisverleihung, bei der wir den Schuelern auch ihre selbstgebastelten Stern aushaendigten, gab es fuer alle Kinder Essen. Bei der Gelegenheit wurde auch unser vorher zusammengebrauter Weihnachtspunsch ausgegeben, der den Schuelern, aber auch den Lehren und Eltern sehr gut schmeckte.  Nach der abschliessenden Lehrerdisko im Speisesaal, bei der wir stundenlang zur ecuadorianischen Folkloremusik im Kreis tanzten, war dann um 18 Uhr alles vorbei.

Freitag hiess es fuer Franzi und mich Sachen packen, putzen und in die Ferien starten. Wie gewohnt trampten wir nach Ambato. Der Fahrer war sehr nett und an Deutschland interessiert, da sein Bruder dort wohnt und er selbst zwei Jahre in Merseburg studiert hatte.
Die Weihnachtsferien wurden fuer mich mit einer Geburtstagsfeier einer Freundin von Silvia und Stalin eingeleitet. Es wurde viel gelacht, gegessen, getrunken und getanzt. Da das Geburtstagskind am 24. Dezember Geburtstag hat, wurde hineingefeiert und zwar auf ecuadorianische Art. D.h., mit einer  Mariachieinlage. Zur Erklaerung: Mariachis sind eigentlich mexikanische Folkloremusiker, ja genau, die mit den riesigen Sombreros, die immer sehr getragen und schluchzend dahersingen.
Von diesen Gestalten hatten wir nun ca acht in der Wohnstube zusammengedraengt stehen und sie sangen, schmachtete Liebeslieder und trompeteten, geigten und sangen so schraeg, dass das Trommelfell am liebsten ausgewandert waere, wenn es dessen maechtig gewesen waere! Aber seht selbst:


Als das ueberlebt war, ging die Party noch bis 4 Uhr morgens, uff!

Weihnachten verlief sehr ruhig fuer mich. Waehrend sich meine Familie dem absoluten Partymarathon hingab, hielt ich mich lieber raus aus dem ganzen Truebel und verbrachte die Tage froehlich skypend mit meiner Familie und meinen besten Freunden. Danke an dieser Stelle nochmal fuer eure Zeit!
Am Weihnachtstag, 25.12., wurden dann in meiner Familie die Geschenke verteilt. Mein Weihnachtsgeschenk waren ein paar weisse Monsterfusspantoffeln mit rosa Krallen, absolut abgefahren!
                                                         Na, welche sind wohl meine? ;-)

Den 26.12. ging ich dann mit Franzi und Suzi Pizza essen bei unserem Lieblingsitaliener. Nebenbei planten wir unseren Kurzurlaub im Cotopaxi National Park, der tagsdrauf beginnen sollte.

Frueh morgens ging es los im Ueberlandbus Richtung National Park. Beim Eingang stiegen wir aus, wurden in der Touriinfo mit nutzlichen Fakten gefuettert und mussten dann gluecklicherweise nicht die 16 km bis zum Hostel im Park laufen, sondern konnten mal wieder per Anhalter mitfahren.
Der Cotopaxi selbst ist ein noch aktiver Vulkan mit einem Eispanzer und einer atemberaubenden Mondlandschaft drum herum.
 
Die Huette, die fuer die naechsten drei Naechte unser Heim sein sollte, war einfach, ungeheizt, aber trocken. Das Restaurant, das uns die naechsten Tage mit Essen versorgen sollte, hatte dann auch gleich fuer die erste Nacht eine tolle Uebelraschung parat: verdorbenen Fisch! Einfach glaenzend!
Ach, was war die erste Nacht auf der Aussentoilette ueber einer Plastiktuete haengend und wuergend fantastisch! Trotz der kalten Unterkunft und des schlechten Essens war der Park dennoch eine Reise wert!

Silvester verbrachte ich auch ueberwiegend ruhig und beschaulich! Bis 18 Uhr hatte ich strumfreie Bude, da meine Gastmutter arbeiten musste und meine Gastgeschwister samt Oma in der Stadt unterwegs waren.
Ich nutze die Zeit, um mich von den Strapazen der Fischattacke zu erholen, schaute Dinner for one und stiess zur deutschen Mitternacht in Gedanken mit Freunden und Familie an. An dieser Stelle euch allen nachtraeglich noch gutes und frohes, neues Jahr, ich war in Gedanken bei euch!!!

Um 18 Uhr ging es dann zu einem Onkel Silvias. Mit seinem Pickup fuhren wir durch Stadt, um uns die Silvsterumzuege anzusehen und den als Witwen verkleideten Maenner, die immer wieder die Strassen blockierten und um eine kleine Spende bettelten, ein paar cent zu spenden.
 Sie tun dies, um sich vom alten Jahr zu verabschieden.


Ein weiterer Brauch ist es, Figuren aus Pappmaché zu verbrennen, die ein Ereignis des alten Jahres repraesentieren. Dies soll Glueck fuer´s neue Jahr bringen.

Anschliessend wurde im Haus des Onkels weitergefeiert, mit viel ecuadorianschem Essen und lauter Folklore. Ja, der geneigte Lser hat an dieser Stelle richtig vermutet: Es wurde wieder viel im Kreis getanzt!
Um drei Uhr morgens war die Party vorbei und alle fielen muede ins Bett!

Am 2. Januar begab ich mich dann auf grosse Reise nach Puerto López an der Kueste. Zuerst neun Stunden in einem ecuadorianischen Ueberlandbus nach Portoviejo und dann noch zwei Stunden nach Puerto López, so sah es der Plan vor.
Doch wie es bereits der Titel andeutet, kam es alles zum Ende anders als geplant! Nach einer elend langen Busfahrt mit tausend Stopps und einer technischen Panne in Porto Viejo angekommen, teilte mir der freundliche Ticketschalterbetreiber mit, dass der naechste Bus nach Puerto López erst wieder um 3 Uhr morgens des naechsten Tages faehrt.
Ein ziemlicher Schock, stelle man sich folgende Situation vor: Es ist dunkel, der Reisefuehrer empfiehlt fuer das industrielle und uncharmante Portoviejo drei ueberteuerte Absteigen weitab vom Schuss, eine Nacht alleine auf dem Busbahnhof in Portoviejo fuer mich eher zu riskant. Was also tun? Nun, so erklaert der Mann vom Schalter, es gaebe noch die Moeglichkeit die zwei Stunden nach Puerto López mit dem Taxi zu bestreiten, fuer 60 Dollar!
Uff, erstmal ein Schlag in die Magengrube, aber in diesem Augenblick erschien mir diese Option die einzig richtige.
Also, ging die Reise im Taxi weiter. Ich hatte sogar eine Begleitung in Person eines 22-jaehrigen Biostudenten aus Quito. Er war ebenfalls seit neun Uhr morgens unterwegs. Hat sich trampend mit nur fuenf Dollar in der Tasche von Quito nach Puerto López auf den Weg gemacht und sich seine Fahrten mit Jonglageeinlagen verdient! Er sollte in Puerto López ein Tauchseminar besuchen, das er fuer´s Studium braucht.
Er konnte sich zwar leider nicht an dem Taxikosten beteiligen, war aber eine nettere Gesellschaft als der grummelige Taxifahrer, der mit einem Affenzahn ueber die Landstrasse jagte und sogar mal eine Fahrbahnschikane uebersah, so dass das Taxi kurzerhand das Fliegen lernte, uff!

In eineinhalb Stunden waren wir dann am Ziel angekommen. Und im vorher gebuchten Hostel stellte sich meine Entscheidung dann als richtig heraus: Der Hostelbesitzer hatte meine Buchung wohl etewas verschlampt und so bekam ich mit Muehe und Not und bestimmtem Tonfall doch noch mein Zimmer! Waere ich erst ein Tag spaeter gekommen, wer weiss....
Das Zimmer mit eigenem Bad, Doppelbett und Balkon ist super und preiswert! Muede und fertig fiel ich ins Bett und schlief bis zum naechsten morgen durch!
Den ersten Tag verbrachte ich damit, mir das verschlafene Hippi-Fischerdorf Puerto López genauer anzuschauen, einen langen Strandspaziergang zu machen und  fuer den nachsten Tag eine Tour auf die Isla de la Plata zu buchen!
Am naechsten Morgen wurde ich erstmal mit Regen begruesst. Davon aber nicht entmutigt machte ich mich auf zum Touranbieter. Auf dem Boot angekommen wurden wir, d.h., die anderen kanadischen und amerikanischen Passagiere und ich mit einer Rettungsweste ausgestattet und los ging es ueber den schoenen tuerkisblauen Pazifik! Nach einer Stunde Bootsfahrt legten wir vor der Insel den Anker. Die Isla de la Plata ist beruehmt fuer ihre Blaufusstoepel und Frigattvogelkolonien. Aufgrund der einzigartigen Flora und Fauna wird sie auch die Galapagosinsel des armen Mannes genannt! (Reisen zum Original sind unbezahlbar!)
Die Voegel nisten ueberall auf der Insel. So kamen wir den Voegeln immer wieder bis auf wenige Meter richtig nahe. Alles sehr beeindruckend!




Nach der Wanderung ueber die Insel gab es Sandwiches und Obst auf dem Boot und das Glueck war uns hold, denn ploetzlich umkreisten uns riesige und wunscherschoene Meeresschildkroeten! Sie zogen majestaetisch ihre Kreise ums Boot und steckten immer wieder ihre faustgrossen Koepfe aus dem Wasser, um Luft zu holen!Es war ein absolut magischer und wunderbarer Augenblick, den ich nie vergessen werde!
                                                                             Hey dude!
Abschliessend hatten wir noch die Gelegenheit zu schnorcheln. Das war eine voellig neue und ungewohnte Erfahrung fuer mich. Ich habe es nur kurz geschafft, zu schnorcheln, aber so konnte ich das schoene Korallenriff und die exotischen Fische vor der Insel wenigstens ein paar Minuten bestaunen!
Danach ging es zurueck nach Puerto López, ein einfach sagenhaftes Erlebnis!
Den naechsten Tag verbrachte ich im Machalilla National Park, in dessen unmittelbaren Naehe Puerto López liegt. Die dort ansaessigen Agua Blanca,ein indigener Stamm, verwalten dort eine archaeologische Ausgrabungsstaette ihrer Vorfahren und bieten gefuehrte Touren durch den Trockenurwald zu den Fundstaetten und einer vulkanischen Lagune an. Sehr interessant!

Den letzten Tag verbrachte ich ebenfalls im National Park und besuchte die wunderschoenen Straende: Los Frailes und La Tortugita. Dort verlebte ich einen super Tag badend und spazierend.

Gleichzeitig hatte ich auch die prima Gelegenheit die Wasserresistenz meiner Sonnencreme zu testen, Praedikat: mangelhaft, obwohl Neutrogena!
Ja, das Krebsrot auf meinen Fuessen und Oberschenkeln steht mir ganz hervorragend und es brennt auch fast gar nicht!

Samstag trat ich dann meine Rueckreise nach Ambato an, nicht ohne vorher eine genauere Recherche der Busfahrplaene zu unternehmen. Das Resultat bestand dann aus einer 12stuendigen Busfahrt nach Quito, da es von dort aus bessere Verbindungen nach Ambato gibt!
So kam ich gestern nach insgesamt 14 Stunden Busmarathon um Mitternacht wieder in Ambato an, uff! Aber dieses Mal ohne Taxiintermezzo ;-) Man lernt ja dazu!

Heute empfing mich dann meine Gastfamilie mit weniger positiven Neuigkeiten: Von Franzi und Suzi erfuhr Silvia, dass man uns in der Hospedería letzten Mittwoch den Strom abgedreht hat! Angeblich wegen einer unbezahlten Rechnung, obwohl Silvia immer fristgerecht ueberwiesen hat! Des Weiteren hat der Englischlehrer seine Stelle ohne Ankuendigung gewechselt! Nun ist nicht nur unsere praktische Mitfahrgelegenheit futsch, nein, der gesamte Englischunterricht haengt nun wieder einzig und allein an Franzi und mir!
Zu allem Ueberfluss steht mir ein Woche El Salado alleine bevor, da Franz und Suzi erst jetzt einen Platz in einer Dschungeltour ergattern konnten und somit die letzte Woche gearbeitet haben und diese Woche im Urlaub sind!
Nun, ich werde naechstes Wochenende berichten, wie es sich ohne Heizluefter und andere elektrische Geraete in einer feuchtkalten Berghuette lebt, vielleicht kommt der Strom ja bald zurueck, Silvia will sich dahinterklemmen!

Nun, das war´s erstmal wieder von mir! Ich hoffe, ihr hattet alle schoene Feiertage und seid gut ins neue Jahr gerutscht!
Ich wuensche euch jedenfalls einen guten Wochenstart und sende euch liebe Gruesse aus dem wilden Ecuador!
Bis zum naechsten post!

Eure
Marijke