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Dieses Mal aus Ambato. Am letzten Mittwoch geht es tatsaechlich weiter. César, einer unserer Ansprechpartner kommt am spaeten Nachmittag zu uns ins Hostal, um uns abzuholen.
Nach Ambato sollen wir mit einem Langsteckentaxi fahren. Zur Erklaerung: Es gibt hier Taxen, die zwischen den grossen Staedten hin und herpendeln.
Aufgrund ecuadorianischer Verplantheit kommt das Taxi dann nicht um 18.30 sondern erst um 20.30 Uhr, so dass wir Ambato um 22.00 Uhr erreichen. Die Wartezeit verbringen wir damit, César naeher kennen zu lernen und ueber die hospedería (das Gaestehaus im Bergdorf) zu sprechen.
Da Franzis und meine Gasteltern so spaet nicht mehr kommen koennen, duerfen wir bei Silvia und ihrer Famlie uebernachten. Suzis Gastfamilie laesst es sich jedoch nicht nehmen und kommt noch spaet abends vorbei, um sie abzuholen.
Franzi und ich werden am naechsten morgen herzlich von Marta, der Grossmutter, begruesst und mit dem typischen ecuadorianischen Fruehstueck (Fruchtsaft, ein Broetchen mit Wurst oder Kaese) verpflegt.
Soweit scheint alles in eine positive Richtung zu laufen, was sich jedoch am Donnerstagabend fuer mich recht bald aendert, als mich mein Gastvater abholt.
Als er Silvias Haus betritt, ist er mir leider auf der Stelle unsympathisch.
Und so nimmt dann die kleine Oddyssee ihren Lauf:
Dieses ungute Gefuehl bestaetigt sich dann leider erneut, als ich das Haus meiner Gastfamilie betrete, das weitab vom Zentrum in einem eher aermlichen Viertel liegt. Der moderne Neubau ist von einer hohen Mauer und einem Elektrozaun gegen die armen Nachbarn umgeben und versprueht den Charm eines Luxushochsicherheitsgefaengnisses. Die Familienmitglieder strahlen eher eine aufgesetzte Freundlichkeit als Herzlichkeit aus, die bei mir sofort ein ziemliches Unwohlsein ausloest.
Mein Schlafzimmer ist eigentlich das Zimmer der neunjaehrigen Tochter und hat noch kein Licht, so dass ich mich im Schein meiner Stirnlampe zurechtfinden muss. Im supermodernen Badezimmer nebenan fehlt das Klopapier sowie die Sauberkeit und die Toilette verstroemt einen scharfen Uringeruch.
Und es geht sogar noch weiter: Am naechsten Morgen bin ich allein im Haus (die Eltern auf der Arbeit, die Kinder in der Schule.)
In der zugemuellten Kueche sowie im Kuehlschrank gibt es nichts richtiges zu essen. Gluecklicherweise habe ich noch einen Muffin aus Quito, der somit mein Fruehstueck darstellt und den ich mir auf der Dachterrasse einverleiben will.
Dort oben angekommen, erlebe ich dann gleich die naechste "Uebelraschung": Auf die Terrasse wird der Hundewelpe der mitteleren Tochter ueber den Tag abgeschoben, ohne Spielzeug, nur mit etwas Wasser und Trockenfutter muss er dort von morgens bis abends alleine ausharren. Nebenbei scheisst er denn auch noch die ganze Terrasse voll, der arme Kleine.
Zusammenfassend ein ziemliches Trauerspiel, was ich kurzerhand beschliesse nicht laenger auszuhalten.
Da ich darueber hinaus noch dringend meine Waesche waschen muss und im Haus keine Waschmaschine ist, packe ich meine Waesche zusammen, nehme meine Handtasche und mache mich auf den Weg in die Stadt, um mir dort endlich etwas zu trinken zu kaufen, einenWaschsalon zu finden und zu Silvias Haus zurueck zu gehen, wohl wissend, dass sich Marta immer ueber ein bisschen Gesellschaft freut.
Nach 1 1/2 Stunden Fussmarsch komme ich bei ihnen an und natuerlich fragen sie mich, ob ich mich bei meinen Gasteltern wohlfuehle. So diplomatisch wie es mein Spanisch es zulaesst, erzaehle ich ihnen von meinen Erlebnissen, woraufhin Silvia beschliesst, dass ich besser bei ihr und ihrer Familie aufgehoben bin.
Nun, der Rest dieser Geschichte ist nicht der Rede wert, jedenfalls wohne ich seit letztem Freitag bei Silvia und ihrer Familie. Ihre beiden suessen Toechter (5 und 2 Jahre alt) haben mich sofort in ihr Herz geschlossen genauso wie die Grossmutter.Hier geht es mir deutlich besser, zumal Franzis Gasteltern nur zwei Haeuser weiter wohnen.
Am Samstag sind Franzi, Suzi und ich dann gemeinsam mit Silvia und Familie ins Bergdorf El Salado gefahren und haben erstmal unser Haus dort auf Vordermann gebracht.
Nun ist dieses wieder halbwegs wohnlich. Es hat sogar einen gut funktionierenden Kamin und eine Haengematte. Die Badezimmer muessen allerdings noch etwas beackert werden, da von drei Waschbecken nur eines funktioniert und die Duschen kein Wasser haben.
Aber das wird schon noch werden.
Mein Zimmer kurz nach der Reinigung
eines der Klos
unser "Kuehlschrank" und Abstellraum
das Team "Sauberkeit":vordere Reihe: Thais, Marijke, Suzis Gastmutter, Silvia mit Aylin,
Hintere Reihe: Suzis Gastschwester und -bruder, Franzi, Suzi, Stalin, zwei Dorfbewohner, die bei der Reinigung des Grundstuecks geholfen haben.
die Essecke
Am Sonntag ist dann erstmal ein Grosseinkauf angesagt, da uns noch einige Sachen fuer unsere Huette fehlen.
Gestern sind wir mit Anita, einer weiteren Ansprechpartnerin durch Ambato gezogen, haben alle wichtige Ministerien besucht und hatten ein Gespraech mit dem Direktor des Bildungsministeriums.
Morgen werden wir wieder nach El Salado fahren, um dort bis Freitag in der hospedería zu wohnen, uns einzurichten und uns den Lehrern der dortigen Schule vorzustellen.
Naechste Woche fangen wir an zu hospetieren und unsere Zimmer zu streichen. Vielleicht koennen wir dann ja schon den ersten Spielenachmittag fuer die Kinder anbieten.
Mal sehen, was die restliche Woche uns noch so bringt.
Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr geniesst den scheinbar schoenen, goldenen Oktober daheim!
Bis bald und ganz liebe Gruesse.
Eure Marijke
P.S.: Da ich von diesem PC hier gerade nicht auf meine SD-Karte zugreifen kann, reiche ich die Fotos zu diesem post nach.
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