Samstag, 8. Oktober 2011

Die Huette in den Bergen

¡Hola und Buenas noches!
Nach drei Tagen in der doerflichen Abgeschiedenheit gibt es Einiges zu berichten.
Am Mittwoch morgen ging es nun endlich fuer ein paar Tage nach El Salado in unsere Berghuette.
Stalin, Silvias Mann, war so nett, uns mit Sack und Pack nach oben zu befoerdern. Das war unser Glueck, denn der Wagen des Bildungsministeriums, der uns eigentlich nach oben bringen sollte, dann aber doch nachkam, ist wohl auf der Strecke mehrfach verreckt.

Oben angekommen, gingen wir zuerst mit allen moeglichen Ministeriumsmitarbeitern in die Schule, wo wir uns zu einer kurzen Vorstellungsrunde im Zimmer des Direktors einfanden. Dieses Zimmer erinnerte mehr an eine grosse Abstellkammer als an ein Buero. In der Raummitte befand sich ein derangiertes Motorrad aufgebockt, umgeben von Tischen, Stuehlen, einem Schreibtisch mit PC, Drucker etc.

Die Lehrer machten allesamt einen netten Eindruck und schienen sich ueber unsere Ankunft zu freuen.
Darauf folgte eine kurze Visite in einer der Lerngruppen, in der Schueler der 5., 6.und 7. Klasse im Alter von 8 bis 13 Jahren zusammen unterrichtet wurden.( wie bei uns vor 150 Jahren). Die Schueler waren sehr schuechtern, aber auch freundlich und neugierig. Zum Abschied sangen sie sogar noch ein Lied auf Quichua fuer uns.
So wie es aussieht, werden Franzi und ich wohl in Zukunft den Englischunterricht an der Schule schmeissen, da der eigentliche Englischlehrer vor einem Monat gestorben ist.
Trotzdem werden wir ab Montag erstmal nur hospetieren.

Nachmittags und die beiden folgenden Tage verbrachten wir dann damit, die Huette weiter auf Vordermann zu bringen, alle Sachen zu verstauen und endlich mal wieder selbst zu kochen.
Als wir am ersten Abend am Esstisch einen leckeren Gemuesetomateneintopf mit Nudeln genossen, sprach uns Franzi aus dem Herzen:" Lecker, endlich mal wieder Essen mit ordentlich Sosse!"
Das ecuadorianische Essen ist naemlich ziemlich trocken. Oft wird als Hauptgang nur eine Portion Reis oder Nudeln ohne Sosse oder Gemuese, dafuer mit Fleisch serviert.

Den Kamin und jede Menge Kerzen haben wir auch schon angezuendet und ein wenig die Huettenromantik genossen.
Gluecklicherweise haben wir genug Trinkwasser mit nach oben genommen, da die ersten Stunden kein Wasser aus den Haehnen kam und das Leitungswasser soweiso nicht geniessbar ist.

Waehrend wir uns dann ans Aufraeumen, Putzen und Einraeumen machten, hatten wir immer wieder Zaungaeste. Einige Kinder konnten es wohl kaum erwarten, wieder am Nachmittag zu spielen und zu basteln, so dass sie uns manchmal ganz schoen belagerten, in der Hoffnung, dass wir uns um sie kuemmerten.
Nach eingen Versuchen konnten wir sie aber davon ueberzeugen, dass das Nachmittagsprogramm erst naechste Woche stattfindet.

Gestern wollten wir dann mit dem Bus wieder nach Ambato fahren. Dieser kam jedoch nicht wie versprochen um zwoelf sondern gar nicht.
Wie es das Schicksal wollte, waren gerade ein paar Mitarbeiter des Umweltministeriums in der Schule und nahmen uns netterweise in ihrem Jeep mit in die Stadt.

Wieder bei Silvias Gastfamilie bestaetigte sich dann der Verdacht, den ich schon die ganze Woche hatte: Ich habe Floehe!!! :-((( Wahrscheinlich noch nichtmal aus der Huette, weil die verdaechtigen roten Punkte schon am Montag, also vor dem Einzug in die Huette, auftraten.

Ein gruendliche Internetrecherche ergab: Einziges Mittel den Floh loszuwerden ist 1. eine gruendliche Dusche, check! und 2. die Waesche bei min. 60 Grad waschen, upps!!
Aber in Ambatos Waeschereinen sowie in meiner Gastfamilie waschen sie nur mit kaltem Wasser.
Nun, was tun? Ich habe mir erstmal Flohpulver gekauft, dass man auch in die Waschmaschine zur Waesche streuen kann.  Zudem werde ich damit auch meinen Schlafsack, die Matraze und Bezuege behandeln.
Keine Macht dem Floh, jawohl!!!! Die juckenden Flohstrassen, die sich meine Beine hoch schlaengeln, behandele ich gerade mit Soventol. Hoffetlich schaffe ich es, ihn loszuwerden, bevor er mich komplett aussaugt.
Seltsamerweise haben Suzi und Franzi keine Floehe, ... oder besser zum Glueck!

Falls einem von euch noch ein bewaehrte Methode einfallt, um Floehe loszuwerden, bitte bei mir melden!!!

Heute habe ich mich ueberwiegend als Taxifahrer fuer die Familie verdingt, da Marta, die Grossmutter, keinen Fuehreschein hat.
Silvia faehrt immer mit Arbeitskollegen zu ihrem 30 Autominuten entfernten Arbeitsplatz. Da sie heute kein Kollege mit zuruecknehmen konnte, war es an mir, der einizen Person mit Fueherschein, gemeinsam mit Marta und den Kindern im Gepaeck den Fahrdienst zu uebernehmen.
Auf dem Rueckweg dann noch an der Mall vorbei, ein Geschenk gekauft. Hatter nie gedacht, dass ich mal einen riesigen Gelaendewagen in eine enge Parkluecke und wieder hinaus manoevieren wuerde. Aber man lernt ja nie aus.
Dabei erinnert Autofahren in Ecuador schon ein wenig an Selbstmord. Die meisten Autofahrer fahren entweder wie die letzten Henker oder total unsicher. Es wird staendig gehupt zum Zeichen, dass man sich selbst gerade die Vorfahrt erteilt. Zudem sind die Kinder nicht angeschnallt, ohne Kindersitz und turnen stattdessen die ganze Zeit im Auto herum, waehrend Mutti oder der Taxifahrer gerade mit 80 km/h! durch die engen Strassen der Innenstadt schuesselt. Einfach nur unverantwortlich!!!
Nun geniesse ich einfach mal meine Ruhe und das Haus fuer mich zu haben, da die Familie auf nem Kindergeburtstag ist.

Morgen haben Franzis Gasteltern uns alle zu einem Ausflug nach Puyo, im Oriente, also im Dschungel eingeladen. Da ich aber mein Antimueckenspray oben in der Huette gelassen habe und in Puyo vor hohem Malaria- und  Denguefieberaufkommen gewarnt wird, komme ich lieber nicht mit. Mir reichen schon meine Floehe! Ausserdem brauche ich auch mal einen Tag fuer mich ohne Fremdbestimmung und ohne Kompromisse.

Montag morgen fahren wir dann mit dem Bus, der dann auch hoffetlich faehrt, wieder zurueck nach El Salado. Daher bin ich am Sonntag fuer die naechsten 5 Tage das letzte Mal  ueber´s Internet erreichbar.
Erst am Freitag werden wir dann wieder nach Ambato zurueckkehren, dann hoffentlich ohne Floehe!

Also bis dahin. Hasta luego y muchos saludos.
Eure Marijke

2 Kommentare:

  1. Jo, wer häts gedacht, Mary tanzt den Flohwalzer ;-)
    Andere Länder, andere Sitten... aber den wirst du schon kleinkriegen!

    Ich wünsch dir viel Spaß mit den Kleinen, hab eine schöne erste Schulwoche!

    Liebe Grüße
    El Comandante Bjorno

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  2. Hallo "Flöhchen" ich hoffe Du bist die Viecher heute schon wieder los, wenn ich daran denke juckt es mich auch überall!Übrigens: Kochen der Wäsche geht ganz gut im Kochtopf auf dem Herd! Ansonsten hört sich Dein letzter Bericht ja gut an.Ich hoffe Du hast Spass mit den Kindern und auch sonst. Alles Liebe Tante Tina

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